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Sprachwissenschaftliche und philologische Wissenstransfers zwischen Deutschland und dem Ausland (16.-20. Jhdt)

Internationales Kolloquium (Paris, 25.-27. Januar 2018)

 

Ziel der Tagung ist es, die zahlreichen und gegenseitigen Wissenstransfers  zwischen dem deutschsprachigen Raum und der übrigen Welt in den Bereichen der Sprachwissenschaft und der Philologie ans Licht zu bringen und zu untersuchen. Die in Frage kommende Periode erstreckt sich vom 16. bis zum 20. Jhdt.

 

Wir laden Sie herzlich ein, Vortragsvorschläge zur Geschichte dieser Wissenszirkulationen einzusenden.

 

 

Lokalisierung, Termine und Empfehlungen an die Autoren

Die Konferenz wird vom 25. zum 27. Januar 2018 in Paris stattfinden. Die Einschreibung ist unentgeltlich.

Einsendeschluss für Zusammenfassungen: 15. September 2017.

Benachrichtigung der Autoren: 30. September 2017.

Die Dauer der Referate ist auf 30 Minuten bestimmt (+ 10 Minuten für die Fragen).

Themenvorschläge mit Abstract (im Umfang von maximal 1 Seite, Schriftgrösse mindestens 10) werden in elektronischer Form (Word-Dokument) an folgende Mail-Adressen erbeten : cglp2018@gmail.com (unter Angabe von, in der Reihenfolge: Name, akademischer Zugehörigkeit, e-mail Adresse, Titel des Beitrags, Zusammenfassung). Geben Sie bitte auch an, ob Sie Terminzwänge oder besondere Anforderungen haben (audiovisuelle Geräte, Annahmeschreiben in Briefform oder als E-Mail)

Die Zusammenfassungen werden anonymisiert und nach einem Doppelblind-Protokoll untersucht.

Die Konferenzsprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch.

Eine Auswahl der Beiträge soll veröffentlicht werden.

 

Thematik

Deutschland hat in der Entwicklung der Philologie und der Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert eine geradezu zentrale Rolle gespielt. Diese Vorherrschaft fand ihren Ausdruck in der Übernahme zahlreicher in Deutschland entstandener Ansätze, Methoden und institutionneller Verfahren durch andere nationale Wissenschaftlergemeinschaften.

Dabei wurden die übertragenen Begriffe, Methoden und Kenntnisse wie bei jedem Transferprozess in der Empfangskultur ausgearbeitet und bekamen einen neuen semantischen Inhalt.

Andererseits soll man auch die Tatsache berücksichtigen, dass die in Deutschland gebildeten sprachwissenschaftlichen und philologischen Ideen weder in einer theoretischen Leere, noch unabhängig von der übrigen Welt entstanden sind. Die nach Deutschland und dem deutschen Sprachraum erfolgten Übermittlungen und ihre Rolle in der Bildung linguistischer und philologischer Ideen, Methoden und Institutionen in Deutschland bedürfen also auch einer systematischen und historischen Analyse. Ausserdem sind oft mehr als zwei Länder, bzw. Kulturräume an dem Transferprozess beteiligt.

Stellten das 19. Jhdt und der Anfang des 20. sicherlich einen Höhepunkt in diesen sprachwissenschaftlichen und philologischen Transfers dar, so kann diese Dynamik jedoch nur verstanden werden, wenn man den chronologischen Rahmen der Erforschung ausweitet. Welche transnationale Methoden- und Wissenszirkulationen fanden vor dieser Zeit statt ? Lassen sich Fälle von Rücktransfers beobachten ? Und wenn schon, dann in welcher Form ? Inwiefern ist man einfach berechtigt, von nationalen Überlieferungen zu sprechen und insbesondere von einer eigentlich deutschen Tradition ?

 

Konkret könnten sich die Tagungsteilnehmer mit den folgenden Teilaspekten der zugrunde gelegten Fragestellung auseinandersetzen (dieses Verzeichnis strebt keine thematische Ausschöpfung an) :

  • Die Ausweitung der griechisch-lateinischen Grammatik auf das Deutsche
  • Die Rolle der Grammaire générale in Deutschland
  • Die ersten Sprachklassifikationen und -genealogien (z.B. bei Gessner und Hervas y Panduro) und ihre Rolle in der späteren deutschen Sprachwissenschaft
  • Der Aufbau der modernen Philologie gegen Ende des 18. Jhdts, die Entwicklung der Hermeneutik und der Untersuchung alter und orientalischer Sprachen, und die Rolle Deutschlands in dieser Entwicklung.
  • Die historisch-vergleichende Grammatik, die Neugrammatiker und ihre Rolle ausserhalb des deutschen Sprachraums (z.B. ihre Rezeption und Überarbeitung durch Bréal, Saussure, Rask, Verner, Pedersen, Baudouin de Courtenay, Kruszewski, Whitney, Bloomfield…).
  • Die naturalistische Linguistik (mit Schleicher und seinen ausländischen Partnern, z.B. Hovelacque und Chavée).
  • Die anthropologische Sprachwissenschaft und deren deutsche Wurzeln (z.B. Boas)
  • Die Sprachgeographie und die Dialektologie (und deren Abzweigungen in den Werken von Ascoli, Edmont, Jaberg, Jud u.a.)
  • Die Romanistik (bei Diez, aber jüdische Einwanderer in die USA wie Spitzer und Auerbach sind auch in Betracht zu ziehen)
  • Der Aufbau der allgemeinen Linguistik und das Wechselspiel zwischen den deutschen Forschungen (z.B. Gabelentz oder die psychologisch orientierte Sprachwissenschaft) und deren Erweiterungen oder Entsprechungen im Ausland.
  • Die Wirkung der deutschen psychologischen Sprachwissenschaft im Ausland und der Vergleich zwischen dieser Strömung und deren ansländischen Entsprechungen.
  • Die gegenseitigen Beziehungen zwischen deutschen und ausländischen strukturalistischen Theorien.
  • Der Anteil der deutschen Ideen in der zeitgenössischen Linguistik (unter Berücksichtigung ihrer historischen Übermittlung)
  • Schliesslich sind auch Referate willkommen, die auf Individuen fokussieren, denen in diesem Ideenaustausch eine Schlüsselrolle zugekommen ist.

 

Organisationsausschuss

Dieses Kolloquium ergibt sich aus dem Zusammenwirken folgender Organismen : Die Exzellenz-Forschungsstelle Labex TransferS, die Société d’Histoire et d’Epistémologie des Sciences du Langage (SHESL), die Société de Linguistique de Paris (SLP), die CNRS Forschungsstellen “Pays Germaniques” (Labex TransferS und Ecole Normale Supérieure), “Histoire des Théories Linguistiques” (Université de Paris Diderot / Paris Sorbonne Nouvelle) und LaTTiCe (Labex TransferS, Ecole Normale Supérieure und Université Sorbonne Nouvelle).

 

Mitglieder des Organisationsausschusses :

Benjamin Fagard (CNRS, Labex TransferS, LaTTiCe)

Jean-Michel Fortis (CNRS, SHESL, Université Paris Diderot, “Histoire des Théories Linguistiques”)

Jacques François (Université de Caen-Normandie, SLP)

Aimée Lahaussois (CNRS, SHESL, Université Paris Diderot, “Histoire des Théories Linguistiques”)

Alain Lemaréchal (Université Paris-Sorbonne, EPHE, SLP)

Jean-Léo Léonard (Université Paris-Sorbonne, SLP)

Daniel Petit (Ecole Normale Supérieure Ulm, SLP)

Pascale Rabault-Feuerhahn (CNRS, Labex TransferS, “Pays Germaniques”)

Didier Samain (SHESL, Université Paris-Sorbonne, “Histoire des Théories Linguistiques”)

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